Ein Blick auf die Medienlandschaft Frankreichs
Landeskundlicher Vortrag
Mi., 29.04. 19.30 Uhr Kolping-Forum
Die unabhängige Journalistin Katja Petrovic gab am 29. April einen umfassenden Einblick in die Medienlandschaft Frankreich und die Umbrüche, die derzeit zu beobachten sind und für Sorge, Skepsis, sowie inzwischen auch für Protest unter Journalisten und Schriftstellern sorgen.
Im Radiobereich, der in Frankreich einen höheren Stellenwert hat als in Deutschland, werden Zusammenlegungen oder Abschaffung von Sendern registriert. Katja Petrovic hält die Franzosen für sehr politikinteressiert und gut informiert. Sie kennen weniger die – typisch deutsche – Konsenskultur und führen eher heftige politische Debatten.
Petrovic berichtet zunächst von der „affaire Grasset“, die derzeit in Frankreich große Wellen schlägt. Der milliardenschwere Medienmogul Vincent Boloré entlässt den langjährigen Chef des Verlags Grasset Olivier Nora. „Vincent est tout puissant“ (dt.: Vincent ist allmächtig), heißt es in französischen Medien. Boloré hat bereits viele Verlage unter der bekannten Verlagsgruppe Hachette aufgekauft und rechte bis rechtsextreme Autoren eingesetzt. Er macht keinen Hehl daraus, den Rassemblement National zu unterstützen. Nach der Entlassung von Nora verließen viele Autoren den Verlag.
Auch der Sender CNews gehört Boloré, ein politsch sehr rechts stehender Sender, der den neu gewählten farbigen Bürgermeister von Seine-Saint-Denis massiv rassistisch beleidigt hat.
Petrovic zählt weitere einflussreiche, mächtige Medienbesitzer auf. Inzwischen gehören wenigen Milliardären viele französische Medien.
Frankreich liegt zurzeit auf Platz 25 der von ‚Reporters sans frontières‘ (dt.: Reporter ohne Grenzen) herausgegebenen Liste zur Pressefreiheit. Deutschland liegt auf Platz 11 und ist im Vergleich zum Vorjahr auch einen Platz tiefer gerutscht.
Die seit 1881 existierende Pressefreiheit wird mehr und mehr ausgehöhlt. Dennoch zeigt Petrovic auch einige unabhängige Verlage, sowie öffentlich-rechtliche Sender auf.
Wie werden Deutsche und Deutschland in der französischen Presse wahrgenommen?
Petrovic betont, dass die Wahrnehmung vom deutsch-französischen „couple“, also vom Verhältnis der jeweils Regierenden abhängig ist. Deutschland wird nach wie vor als wirtschaftlich stark und diszipliniert, manchmal auch hart wahrgenommen. Die Wiedervereinigung wurde von vielen kritisch gesehen. Es herrscht Unklarheit über die AFD, die sich deutlich vom Rassemblement National unterscheidet. Eine Schwierigkeit ist, dass viele Korrespondenten kein oder wenig Deutsch bzw. Französisch sprechen.
Petrovic zeigte in ihrem Vortrag ein umfassendes Wissen über die französische Medienlandschaft. Sie selbst arbeitet seit vielen Jahren in der französischen Presse. Zurzeit ist sie bei Voxeurop, einer Internetzeitung zu europäischen Themen, tätig.
Die Präsentation stieß auf großes Interesse und sorgte im Anschluss noch für viel Gesprächsstoff.

